Oft trifft man auf Aussagen wie „Eine geblockte Trachealkanüle schützt vor Aspiration“. Mit dieser Aussage bin ich nicht einverstanden.

Zum Verständnis für meine Argumentation verweise ich zunächst auf meine beiden Blogbeiträge “Was ist Aspiration?” und „Was ist eine geblockte Trachealkanüle?“.

Eine Trachealkanüle liegt in der oberen Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes. Wir erinnern uns: Aspiration passiert auf Stimmlippenebene, das heißt im Kehlkopf.

Eine geblockte Trachealkanüle kann Aspiration also nicht verhindern, denn sie liegt deutlich unterhalb der Stelle, an der aspiriert wird. Die Blockung der Trachealkanüle kann dabei helfen, ein Abrutschen aspirierter Konsistenzen in die tieferen Atemwege zu verhindern. Das heißt also, eine geblockte Trachealkanüle hilft, vor den Konsequenzen von Aspiration zu schützen. Absolute Sicherheit gibt es allerdings nicht, denn der Cuff schließt nicht vollständig dicht ab.
Ein weiteres Problem bei geblockter Trachealkanüle sollte nicht übersehen werden: Aufgrund der Blockung geschieht die Atmung nur noch über die Trachealkanüle, das heißt, es strömt keine Luft mehr durch Mund / Nase / Rachen / Kehlkopf. Dieser Luftstrom ist aber wichtig für die Gefühlswahrnehmung in der Kehle und somit für die Qualität des Schluckes.

Die Blockung einer Trachealkanüle kann zwar helfen, aspirierte Konsistenzen nicht in die Lunge abrutschen zu lassen, gleichzeitig besteht aber das Risiko, dass aufgrund des ausbleibenden Luftstroms durch Kehlkopf und Rachen nochmals schlechter geschluckt wird.
Wenn Sie eine geblockte Trachealkanüle haben und essen wollen, lassen Sie sich unbedingt von Ärztin/Arzt UND Logopädin/Logopäde die Risiken erklären und besprechen Sie, welches Vorgehen für Sie die geringsten Risiken mit sich führt.