Beobachtung / Patientenberichte:

  • Oft klagen Parkinsonpatienten bei mir darüber, dass sie sich bei bestimmten Lebensmitteln häufiger verschlucken (z.B. roher Apfel, Orange, Müsli, Salat mit Essig-Öl-Dressing…)
  • Häufig wird mir von Patienten auch berichtet, dass sie beim Sprechen häufiger ganz unerwartet husten müssen.
  • Wieder andere Patienten klagen gar nicht über Husten oder Verschlucken, aber sie zeigen Ansammlungen von Speichel in den Mundwinkeln.
  • Wieder andere Patienten berichten, dass sie beim Schlucken überhaupt keine Probleme haben und werden dann von der Ehefrau / vom Ehemann korrigiert: „Doch, beim Essen / Trinken hustest du schon mehr als früher…“

All dies ist liegt aus meiner Sicht begründet in einer beginnenden Schluckstörung.

 



Erklärung

Beim Kauen eines Apfels oder einer Orange entweicht Saft. Während das Fruchtfleisch noch gekaut wird, muss dieser Saft in der Mundhöhle kontrolliert werden. Dieser Saft kann bereits vorzeitig in den Rachen entweichen (Leaking).
Ebenso müssen beim Essen von Müsli feste Bestandteile noch gekaut werden, während die Milch bereits nach hinten entweichen kann (Leaking).
Bei Salat verhält es sich genauso. Salatsoße kann bereits in den Rachen entweichen, während die Salatblätter noch nicht ausreichend gekaut sind.

Die drei vorrangigen Ursachen hierfür liegen meiner Erfahrung nach hierin begründet:

  1. Aufgrund einer reduzierten intraoralen Sensibilität (Gefühlswahrnehmung im Mund) wird erst zu spät wahrgenommen, dass etwas nach hinten über den Zungengrund entweicht.
  2. Der hintere Teil der Zunge hat u.A. die Aufgabe, während des Kauens zusammen mit dem weichen Gaumen die Mundhöhle zum Rachen hin zu verschließen. Wenn diese Muskulatur zu langsam oder zu schwach arbeitet (beides bekannte Merkmale bei Parkinson – Rigor / Hypokinese), wird die Mundhöhle nicht ausreichend verschlossen und es kann frühzeitig etwas in den Rachen rutschen (Leaking).
  3. Die Schluckreaktion (veraltet: Schluckreflex) wird zu spät ausgelöst.